StreetArt Düsseldorf: Wie die Kunstwerke von ONI die StreetArt-Landschaft Düsseldorfs bereichern

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StreetArt Düsseldorf, Artist: ONI

Dieser Tage ist in einem der Hotspot-Gegenden in Düsseldorf-Bilk rund um den Real-Markt ein hervorragendes, neues StreetArt-Kunstwerk aufgetaucht. Es zeigt in 4 Farben das Portrait einer schönen Frau mit Hut. Zudem lässt sich aus einem der vier Stencils der Name des Erstellers herauslesen: ONI. Ein StreetArtist, den ich bislang noch gar nicht wahrgenommen habe. Vielleicht auch, weil er erst seit kurzem in der Landeshauptstadt aktiv ist. Und wenn man dann genauer hinschaut, sind noch einige andere Sachen von ihm aufgetaucht. Ziemlich oft vorzufinden sind die Schablonen-Sprühbilder eines anderen Frauenportraits:

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StreetArt Düsseldorf, Artist: ONI

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StreetArt Düsseldorf, Artist: ONI

Wer aufmerksamen Blickes durch die Innenstadt geht und ab und zu einen Blick auf Straßenschilder wirft, der wird ebenfalls ein paar Hinterlassenschaften von ONI entdecken. An einigen „Durchfahrt verboten“-Hinweisen hat er den weißen balken genutzt, um schwarze Augen dort zu platzieren:

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StreetArt Düsseldorf, Artist: ONI

Doch es geht auch ernsthaft: Weitere Stencils von ONI zeigen Soldaten in verschiedenen Positionen. Wie zum Beispiel liegend mit einer Waffe im Anschlag und zielend auf den Betrachter. Normalerweise haben wir das Thema „Krieg“ im Alltag nicht auf dem Bildschirm. ONI holt es uns durch seine StreetArt genau dorthin wieder zurück.

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StreetArt Düsseldorf, Artist: ONI

Ich hatte die Chance, ONI ein paar Fragen zu stellen. Hier einmal, die Antworten.

Verrat mir doch mal, wie du zu deiner Kunst bzw. zur StreetArt an sich gekommen bist.

ONI: Ich bin in einem künstlerischen und kunstinteressierten Umfeld aufgewachsen, da kommt man nicht umhin über die Rolle der Künste in unserer sich rasch wandelnden Gesellschaft nachzudenken. Von da aus war der Weg zur StreetArt fast eine logische Konsequenz für mich.
Hauptsächlich bin ich in Düsseldorf aktiv. Ich mag diese Stadt sehr und fühle mich hier wohl, dennoch habe ich sie oft als relativ steril empfunden, ein wenig zu glattgebügelt. Ein ausschlaggebendes Erlebnis war dass ich ein klassisches Konzert in der Tonhalle besuchen wollte, wo die billigste Karte (Studentenermäßigung gab es keine) 60 € kosten sollte. In Köln konnte man für 10 € dasselbe Konzert besuchen. Da wurde mir zum ersten mal bewusst, dass ich in einer Stadt lebe, wo durch kulturelle Einrichtungen und Veranstalter ganz gezielt das Nachwuchspublikum von diesen Veranstaltungen ferngehalten wird, gleichzeitig wird genau darüber geklagt. Das entzieht sich meinem Verständnis und weckte in mir das Bedürfnis Kunst im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten allen die es sehen wollen zugänglich zu machen.

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StreetArt Düsseldorf, Artist: ONI

Was fasziniert dich denn besonders an StreetArt und wie suchst du die Orte aus, wp du aktiv bist?

ONI: Ein wichtiges Thema für mich ist die Vergänglichkeit der Kunst im öffentlichen Raum, auch ihre Verwundbarkeit. Man leistet seinen Beitrag, hinterlässt eine Spur, und gibt dann das ‚Schicksal‘ des Bildes aus der Hand, es wird nicht bewacht und konserviert, sondern entwickelt sich weiter, zerfällt, verblasst und wird manchmal auch mutwillig zerstört. Das alles gehört für mich dazu. Nichts ist von Dauer und StreetArt ist eine greifbare Darstellung dessen. Das ist für mich auch bei der Auswahl des Ortes wichtig. Generell suche ich Orte wo menschliche Interaktion (und sei es nur dass es jemand daran herumknibbelt und den Vandalismus vandalisieren kann) möglich ist, wo Menschen hautnah mit den Sachen in Berührung kommen können, also am besten zu Fuß unterwegs sind. Autobahnbrücken interessieren mich da eher weniger. 

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StreetArt Düsseldorf, Artist: ONI

Das Interessante an StreetArt ist ja gerade, dass der Betrachter in einem Kontext, in einem Moment wo er nicht darauf eingestellt ist mit Kunst oder einem bestimmten Inhalt konfrontiert wird. Diese Inhalte können in ihrer Form völlig unterschiedlich sein, sei es, dass einem ein Lächeln über die Lippen huscht, weil man etwas entdeckt was einfach nur schön ist, man schmunzeln muss über ein humoristisches Aufgreifen einer Thematik, oder das leicht schlechte Gewissen wenn man sich bei bestimmten Verhaltensweisen ertappt fühlt.

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StreetArt Düsseldorf, Artist: ONI

Bei einem Museumsbesuch baut der Besucher im Vorhinein unweigerlich eine Erwartungshaltung auf, die dann entweder erfüllt oder enttäuscht wird. Er kann sich auf etwas einstellen und dadurch auch ein wenig davon distanzieren, kann sich als ‚Ausnahme‘ fühlen. Das ist ein wichtiger Bestandteil unseres kulturellen und gesellschaftlichen Lebens; Die direkte, unvermittelte Konfrontation, wie sie durch StreetArt möglich ist, ist jedoch genauso gültig und wichtig.

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StreetArt Düsseldorf, Artist: ONI

Kunst und künstlerische Aussagen gehören in den öffentlichen Raum, Kunst ist an sich eine Sache die nicht durch wirtschaftliche, elitäre oder politsche Filter zensiert werden sollte, noch die instrumentalisiert werden darf, weder vom Künstler selbst noch für Interessen dritter. So gesehen ist StreetArt weit entfernt von einer Straftat, sondern -aus meiner Sicht- eine gesellschaftliche Notwendigkeit.

Wie gehst du bei deiner StreetArt vor? Und gibt es für deine Kunstwerke Vorbilder, an denen du dich orientierst?

ONI: In meinem Vorgehen bin ich gar nicht so festgelegt, da gibt es sehr viele verschiedene Inspirationsquellen. Ich bin so ein Sammler von Gedanken und Bildern, die trage ich dann mit mir herum, hänge Schnipsel mit Skizzen, Bildern, Fotos, Zeitungsausschnitten an meiner Wand auf, staple Bücher auf meinem Küchentisch. Wichtig ist nur, dass mich irgendetwas daran fasziniert und nicht mehr loslässt.  Ein Bild fängt nie an der gleichen Stelle an, manchmal ist es Blick, manchmal ein Ort, ein aufgeschnappter Satz, ein zu später Stunde geführtes Gespräch was sich dann entwickelt und immer konkretere Formen annimmt. Manchmal ärger ich mich aber einfach nur über irgendetwas. Eine politische Aussage ist nicht mein Ziel, viele Motive entstehen zwar aus einem beunruhigten Beobachten unseres Zeitgeistes heraus, viele Motive entstehen aber auch einfach aus künstlerischem Selbstzweck, also unter primär ästhetischen Gesichtspunkten, und einem Ausdruckswillen heraus. 
Technisch fängt alles mit Skizzen an. Je nach Motiv überlege ich wie ich das umsetzen muss – welche Wirkung will ich erzielen? wie viele Farben brauche ich? was ist das Minimum an Information die das Auge braucht um das Bild zu verstehen? Dann fange ich an Schablonen zu schneiden, Spraye das auf dünnes Papier (Zeitung, Papiertischdecke, Verpackungspapier, etc.) und dann geht’s ab auf die Straße. Und möglichst nicht erwischt werden!

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Vorbild ist für mich im Prinzip jeder, der anstelle zuhause herumzusitzen und zu jammern was doch alles anders sein sollte/könnte in dieser Welt, sich aufrafft und aktiv etwas unternimmt. Es gibt unzählige Künstler die ich aus den verschiedensten Gründen bewundere, da wäre es schwierig einzelne herauszugreifen, es ist aber natürlich immer ein besonderes Erlebnis wenn man live und in Farbe vor einem Bild steht, insofern sind vor allem die Künstler die im selben Raum aktiv sind, die dieselbe Stadt gestalten wie man selbst, deren Bilder man oft sieht, auch besonders prägend. Ich beschäftige mich aber auch viel mit Kunst abseits der StreetArt, in letzter Zeit viel mit Popart, Dali und Klimt. Ein ziemlicher Stilmix, ich weiß… 

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StreetArt Düsseldorf, Artist: ONI

Ich experimentiere gerne mit verschiedenen Kunstrichtungen und Techniken herum, ich finde das spannend und bereichernd, da bin ich immer auf der Suche. Ich glaube und hoffe nicht, dass man im künstlerischen Sinne je endgültig irgendwo ankommt. Das ist ja auch das schöne daran, man ist nie fertig, immer gezwungen sich aufs neue mit den Dingen (und sich selbst) auseinanderzusetzen; es gibt immer Neues, was es zu entdecken, überdenken oder zu verwerfen gilt. Ich bin selber sehr gespannt wie meine Sachen in ein paar Jahren aussehen werden.

One comment

  1. […] etwas [völlig] anderes ist als ohne Sinn. Mehr von und über den StreetArt-Künstler Oni kann man hier nachlesen. Und letzten Mittwoch haben wir uns für die zum Projekt geplante Sinn-Verlosung der […]

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